Irish Pubs und Pubkultur

Trinkhallen, Kulturgut und fester Bestandteil der irischen Lebensart

Pubs, eigentlich die Kurzform von Public House, sind beileibe nicht nur schummerige und lärmende Trinkhallen. Vielmehr sind Pubs, in Irland gibt es schätzungsweise über 10.000 davon, tief verwurzelt in der irischen Gesellschaft. Hier trifft man sich mit Freunden, Nachbarn und auch wildfremden Menschen, um sich in entspannter Atmosphäre zu unterhalten. Feste werden hier gefeiert und einfache Mahlzeiten serviert, so genanntes „Barfood“. In den Singing Pubs treffen sich Musiker aller Couleur zu gemeinsamen Sessions. Jeder, der dazu Lust hat kann spontan mitmusizieren. Wenn man so will, sind Pubs ein Schmelztiegel sozialer Begegnungen, in denen alle gesellschaftlichen Schichten zusammenfinden.

Und – okay, wir geben es an dieser Stelle zu – natürlich wird in den irischen Pubs auch kräftig getrunken. Will man wissen, warum in irischen Pubs so häufig zum Glas gegriffen wird, dann bekommt man mitunter zur Antwort, dass Irland schlichtweg die besten Stouts und Whiskeys der Welt produziert. Und dem könne man sich ja schlecht verweigern.
Tatsächlich ist das schwarzbraune Guinness nicht nur die bekannteste Biermarke Irlands, sondern fast schon so etwas wie ein Nationalsymbol. Auch der irische Whiskey, egal ob Bushmills, Jameson oder Tullamore Dew, erfreut sich bei Whiskeykennern großer Beliebtheit. Ganz so abwegig scheint das scheinheilige Argument dann also doch nicht zu sein.

Sehr zum Leidwesen einiger Stammgäste wird übrigens an ganzen zwei Tagen im Jahr in irischen Pubs kein Alkohol ausgeschenkt: Am Karfreitag und am 1. Weihnachtsfeiertag. Dieses Verbot sorgt schon seit geraumer Zeit für kontroverse Diskussionen. Im Frühjahr 2010 probten einige Pub-Betreiber in Limerick schliesslich den Aufstand. Der Zufall wollte es, dass ausgerechnet für Karfreitag ein großes Rugby-Spiel angesetzt wurde, zu dem sich zahlreiche Besucher ankündigten. Dies nahmen die Schankwirte zum Anlass, um vor Gericht eine Sondergenehmigung zum Ausschank von Hochprozentigem an eben jenem Karfreitag zu erwirken. Begleitet von einem landesweiten Medienecho feierten die Wirte ihren Erfolg, während die Vertreter der Kirche schmollten.

Auch in der irischen Kultur spielen Pubs eine wichtige Rolle. So zog die irische Pubkultur viele große Autoren in ihren Bann. Egal ob James Joyce, Samuel Beckett, Oscar Wilde, oder Brendan Behan – sie alle schrieben Geschichten, in deren Zentrum ein Pub steht. Bei manch einem wird sogar gemunkelt, dass er seine Inspirationen ausschliesslich in Pubs suchte. Ein weiteres Phänomen sind die Pub Songs. Kaum ein Tourist kehrt aus Irland zurück, dem sich nicht einige dieser einprägsamen Melodien ins Gedächtnis oder gar in sein Herz gebrannt hätten. Die Pub Songs behandeln das komplette Spektrum des menschlichen Daseins, oft wird dabei auch die leidenschaftliche Zuneigung zu alkoholischen Getränken und deren Folgen besungen.